Warum ich empfehle, dass Hunde keine Menschen anspringen und auch nicht “körperlich”  - also mit Händen und Beinen - mit ihnen gespielt wird.

"Mein Hund meint es doch nur freundlich." (‘Tja, auch darüber lässt sich sehr kontrovers diskutieren)

Diesen Satz höre ich als Hundetrainerin doch häufig, wenn Hunde Menschen unter anderem zur Begrüßung anspringen. Darin liegt jedoch, meiner Meinung nach, ein großes Problem:

Die Folgen können trotzdem gefährlich sein.

Aus meiner Sicht sollte jeder Hund lernen, dass Menschen grundsätzlich nicht angesprungen werden.
Auch nicht zur Begrüßung.
Auch nicht bei Familienmitgliedern.
Auch nicht "nur ein bisschen".

Ein Hund unterscheidet nicht verlässlich, ob die Person vor ihm sportlich, kräftig und standfest ist oder ob es sich um ein kleines Kind, einen älteren Menschen oder jemanden mit körperlichen Einschränkungen handelt. Schon ein freundlicher Sprung eines 10 Kilogramm schweren Hundes kann ausreichen, um einen Menschen unglücklich zu verletzen.
Außerdem kann der Hund nicht unterscheiden ob es bei der aktuellen Kleidung des Menschen “egal” ist, oder der Mensch gerade “schöne” Kleidung anhat und er deshalb nicht machen darf, was sonst kein großes Problem ist.

Auch Sprung von einem “freundlichen” Hund kann  gefährlich werden

Besonders kleine Kinder und ältere Menschen sind gefährdet. Kinder werden häufig auf Augenhöhe angesprungen und verlieren schnell das Gleichgewicht. Ältere Menschen sind oft nicht mehr so trittsicher und können bereits durch einen leichten Stoß stürzen.

Das Problem ist dabei nicht, dass der Hund aggressiv wäre. Es sind oft besonders “freundliche”, “temperamentvolle” und “menschenbezogene” Hunde, die „aus Freude“ (weil sie es nicht anders gelernt haben) anspringen. Doch was Hundebesitzer oft als “freundlich” einstufen, ist nicht immer so positiv gemeint, meine Kunden wissen darüber schon mehr, das sprengt jedoch hier den Rahmen.

Die Folgen eines Sturzes können gravierend sein. Knochenbrüche, Kopfverletzungen oder langfristige gesundheitliche Folgen können leider vorkommen, je nachdem wie der betroffene Mensch fällt.

Wenn es zu einem Unfall kommt, heißt es anschließend oft: "Der Hund war schuld."

Nein. Der Hund war nicht schuld.

Die Verantwortung liegt beim Menschen, der seinem Hund nicht beigebracht hat, dass unaufgefordertes Anspringen nicht erlaubt ist.

Anspringen nur auf Einladung

Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn ein Hund seinen Menschen nach ausdrücklicher Aufforderung anspringen darf. Das ist jedoch etwas völlig anderes als unkontrolliertes Anspringen im Alltag.

Der entscheidende Unterschied lautet: Der Mensch entscheidet, wann dieses Verhalten erwünscht ist. Das kann auch davon abhängen, welche Kleidung man gerade trägt.

Der Hund lernt dadurch eine klare Regel:

Ohne Aufforderung wird niemand angesprungen, erst nach ausdrücklicher Erlaubnis darf der Hund dieses Verhalten zeigen.

Diese klare Kommunikation ist fair für den Hund und schafft Sicherheit für alle Beteiligten.

Warum ich auch körperliches Spielen mit Hunden ablehne

Ein weiteres Thema, das ich sehr kritisch sehe, ist das körperliche Spielen mit dem Hund.

Immer wieder sehe ich Videos und Online-Beiträge, in denen Hundetrainer – häufig jüngere Trainer ohne eigene Erfahrungen mit kleinen Kindern oder älteren Menschen im direkten Familienumfeld – empfehlen, körperlich mit dem Hund zu spielen. Dabei werden Hände, Arme oder Beine bewusst in das Spiel eingebunden.

Aus meiner persönlichen Erfahrung in einem Vier-Generationen-Haushalt lehne ich das strikt ab.

Ein Hund kann nicht zuverlässig unterscheiden, bei welcher Person er wann/welche Intensität und welche Kraft einsetzen darf. Wenn der Hund gelernt hat, dass menschliche Körperteile zum Spiel gehören, steigt das Risiko für Missverständnisse erheblich.

Was beim sportlichen Erwachsenen noch lustig wirkt, kann bei einem Kind oder einer älteren Person zu Schmerzen, Verletzungen oder Angst führen. Besonders ungut kann das werden, wenn die eigenen Kinder Besuch von befreundeten Kindern haben. Dann heißt es plötzlich, dass der Hund “gebissen”, “geschnappt” habe.

Hände und Beine sind niemals Spielzeug

Für mich gilt daher eine ganz einfache Regel:

Hände sind keine Spielzeuge.
Beine sind keine Spielzeuge.
Menschen sind keine Spielzeuge.
Hundezähne auf menschlicher Haut oder in Kleidung – Nein, auf keinen Fall.

Wenn mit dem Hund gespielt wird, dann ausschließlich mit (s)einem geeigneten Spielzeug. Immer, ausnahmslos. Hunde können auch mit “Heute, ausnahmsweise” nichts anfangen. Dann ist man für den Hund nur inkonsequent und unzuverlässig. Auch Kinderspielzeug und Hundespielzeug sollten gut unterschieden werden um Missverständnisse zwischen Kindern (Gastkindern) und Hunden von Anfang an zu vermeiden.

Dazu  geeigneten Hundespielzeugen gehören beispielsweise:

  • Zugseile
  • Stofftiere
  • Bälle
  • Futterspielzeuge
  • geeignete Beiß- und Zerrspielzeuge

NIE die Spielzeuge der Kinder!

Dadurch lernt der Hund von Anfang an, woran er seine Spielfreude ausleben darf und woran nicht.

Diese klare Trennung verhindert viele Probleme, bevor sie überhaupt entstehen.

Was passiert, wenn das Temperament einmal durchgeht?

Jeder Hund kann sich im Spieltrieb einmal vergessen.

Ein junger, temperamentvoller Hund springt plötzlich hoch, er wird beim Spiel übermütig, gerät in starke Aufregung.

Wenn der Hund gelernt hat, dass Menschen selbst Teil des Spiels sind, weil ihm nie gelernt wurde, dass das nicht erwünscht ist, können solche Situationen schnell eskalieren.

Der Hund handelt dabei möglicher Weise nicht grundsätzlich böse und nicht aggressiv. Er macht lediglich das, was er gelernt hat.

Die (negativen) Konsequenzen trägt jedoch fast immer der Hund.

Plötzlich wird aus dem "lustigen Spiel" und dem „netten Hund“ ein ernsthaftes Problem. Der Hund bekommt die Schuld für ein Verhalten, das ihm zuvor vom Menschen erlaubt oder sogar aktiv beigebracht wurde. Das halte ich dem Hund gegenüber für absolut unfair.

Außerdem wird hier wichtig:
Impulskontrolle - ein Tabuwort, das gut etabliert wurde, ein Abbruchsignal.

Verantwortung bedeutet, dem Hund klare Regeln zu geben

Ein verantwortungsvoller Hundehalter sorgt dafür, dass sein Hund lernt:

  • Menschen werden nicht ungefragt angesprungen.
  • Hände und Beine sind niemals Spielzeug.
  • Gespielt wird ausschließlich mit geeigneten Gegenständen.

Diese Regeln schränken den Hund nicht ein.

Sie geben ihm Orientierung, Sicherheit und schützen gleichzeitig alle Menschen in seinem Umfeld.

Das ist aus meiner Sicht fairer und verantwortungsvoller Umgang mit Hunden.