Viele Hundehalter greifen zu Trockenfutter mit scheinbar großen Fleischanteilen auf der Verpackung. „70 % frisches Fleisch“, „extra hoher Fleischanteil“ oder „naturnahe Ernährung“ klingt beeindruckend. Schaut man jedoch genauer hin, bleibt von diesen Aussagen deutlich weniger übrig, als die (legalen) Deklarationstricks der Werbung suggerieren.
Der wichtigste Punkt dabei: Frisches Fleisch besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Bei nahezu jeder Fleischsorte liegt der Wasseranteil bei ungefähr 70 %. Genau diesen Umstand nutzen Hersteller völlig legal für ihre im Grunde irreführenden Deklarationen.
Steht auf einem Trockenfutter „70 % frisches Fleisch“, bedeutet das natürlich nicht, dass im fertigen Trockenprodukt tatsächlich 70 % Fleisch enthalten sind. Während der Herstellung wird dem Fleisch Wasser entzogen. Übrig bleibt lediglich die Trockenmasse. Aus ursprünglich 70 % frischem Fleisch werden dadurch nur etwa 21 % tatsächlicher Fleischanteil im fertigen Trockenfutter.
Berücksichtigt man zusätzlich die Restfeuchte des Endprodukts von ungefähr 8–10 %, landet man realistisch betrachtet bei etwa 23–25 % Fleischanteil. Der Rest besteht aus Kohlenhydraten, pflanzlichen Bestandteilen, Stärkequellen und Füllstoffen – oft Nebenprodukten anderer Industriezweige.
Besonders interessant wird es bei der Liste der übrigen Zutaten. Viele Hersteller arbeiten mit Sammelbegriffen wie „pflanzliche Nebenerzeugnisse“, „tierische Nebenerzeugnisse“, „pflanzliche Extrakte“, enthalten sind auch Rübenschnitzel oder Lignozellulose.
Ein Hund kann davon leben – aber ist es eine artgerechte, gesunde Ernährung?
Noch auffälliger wird es bei den zugesetzten Vitaminen und Mineralstoffen. Viele Trockenfutter lesen sich mittlerweile wie ein Chemiebaukasten: Vitamin A, Vitamin D3, Vitamin E … die Liste der Zusatzstoffe ist länger als die der deklarierten Zutaten.
Natürlich braucht ein Hund Vitamine und Mineralstoffe. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Warum müssen sie künstlich in dieser Menge ergänzt werden?
Wenn unsere Ernährung aus natürlichen, hochwertigen Lebensmitteln besteht, benötigen wir normalerweise ebenfalls keine künstlichen Zusätze. Genau hier zeigt sich das eigentliche Problem: Die Basis stimmt häufig nicht, weshalb umfangreich supplementiert werden muss.
Würde die Grundlage des Futters aus hochwertigen und nährstoffreichen Rohstoffen bestehen, wäre ein solcher Zusatzcocktail nicht notwendig. Viele natürliche Nährstoffe gehen jedoch durch starke Erhitzung und industrielle Verarbeitung verloren. Genau deshalb müssen Hersteller anschließend künstlich nachhelfen, damit das Produkt überhaupt bedarfsdeckend bleibt.
Industrielles Trockenfutter ist bequem, lange haltbar und praktisch im Alltag. Das macht es vor allem für Industrie und Handel attraktiv. Ein kritischer Blick hinter die Werbeslogans lohnt sich deshalb immer. Große Fleischzahlen auf der Vorderseite sagen wenig über den tatsächlichen Inhalt aus. Entscheidend ist nicht die Marketingbotschaft, sondern die reale Zusammensetzung im Napf.
Wer sich intensiver mit Deklarationen beschäftigt, merkt schnell: Zwischen Werbung und Wirklichkeit liegen oft Welten.
Beispiel einer Deklaration
XXXX-Fleisch 42 %
(frisches XXXX-Fleisch 25 % – das entspricht im Trockenprodukt real nur etwa 7,5 % –, getrocknetes XXXX-Fleisch 17 %), Kartoffeln 24 %, Süßkartoffeln, XXXX-Jus, XXXX-Fett 2 %, Pastinaken, Fenchel, Kürbis, Kichererbsen, Leinsamen, Mineralstoffe, mediterrane Kräutermischung 0,8 % (Thymian, Majoran, Oregano, Petersilie, Salbei), Topinambur 0,3 %, Tomaten, Brennnessel, Löwenzahn, Ginseng, Weißdorn, Mannan-Oligosaccharide (MOS), Fructo-Oligosaccharide (FOS), Hagebutten, schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, Holunderbeeren, Yucca-Schidigera-Extrakt, Himbeeren, Heidelbeeren 0,01 %, Aroniabeeren. (man achte auf die %-Sätze der marketingtechnisch eingesetzten Zutaten: 0,3% bis 0,01%!)
Dieses Produkt besteht überwiegend aus Kartoffeln und Süßkartoffeln. Dabei werden bewusst zwei verschiedene Kartoffelarten getrennt aufgeführt. Würde man beide zusammenrechnen, läge der Kartoffelanteil vermutlich an erster Stelle der Zutatenliste.
Jetzt folgt die lange Liste an Zusatzstoffen, die sich auf den ersten Blick „gesund“ anhören – doch sind sie das wirklich?
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe:
Vitamin A (als Retinylacetat) 21.871 IE, Vitamin D3 (als Cholecalciferol) 1.471 IE, Vitamin E (als all-rac-alpha-Tocopherylacetat) 710 mg, Jod (als Calciumjodat, wasserfrei) 0,96 mg, Eisen (als Eisen(II)-sulfat, Monohydrat und Eisen(II)-Aminosäurenchelat, Hydrat) 95 mg, Zink (als Zinksulfat, Monohydrat und Aminosäuren-Zinkchelat, Hydrat) 150 mg, Mangan (als Mangansulfat, Monohydrat) 36 mg, Kupfer (als Kupfer(II)-sulfat, Pentahydrat und Aminosäuren-Kupfer(II)-chelat, Hydrat) 15 mg, Selen (als Natriumselenit) 0,15 mg, DL-Methionin 2.126 mg, L-Carnitin 82 mg, Taurin 1.000 mg.
Dazu passt auch die Buchempfehlung - Katzen würden Mäuse kaufen - von Hans-Ulrich Grimm. Das ist leider kein Märchenbuch, sondern eine erschreckende Darstellung darüber, wie Haustiere durch geschicktes Marketing und industrielle Futtermittel krank gefüttert werden.
Wenn du deinen Hund gesund und artgerecht ernähren möchtest, helfe ich dir gerne dabei, die passende Fütterung für deinen Hund zu finden. Denn auch beim Hund gilt:
Du bist, was du isst.
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